El director de cine venezolano Alberto Arvelo


 
«Kunst sollte sich durch soziale Aspekte inspirieren lassen»

HABLAMOS CON EL DIRECTOR DE CINE VENEZOLANO ALBERTO ARVELO // DER VENEZOLANISCHE FILMEMACHER ALBERTO ARVELO IM GESPRÄCH.

Aus Anlass des V Festival de Cine Venezolano 2009 (22.10. – 25.10.2009, Filmforum Höchst) stellt La Guía Ihnen Alberto Arvelo vor, der sich über das aktuelle Kino seines Landes äußert. Das Gespräch wurde vom venezolanischen Filminstitut CNAC für La Guía bereitgestellt. Wir gratulieren dem CNAC auch auf diesem Weg zu seinem 15 jährigen Bestehen: FELICIDADES.

Nennen Sie drei Elemente, die für Ihr Filmschaffen charakteristisch sind.
Alberto Arvelo: Zum einen ist es der Versuch, die Welt des einfachen Menschen zu verstehen, die Welt der Armut; zweitens der Versuch, die emotionale Kraft der darin zu Grunde liegenden Werte zu verstehen. Und dann geht es darum, die filmischen Elemente in die Funktion eines Diskurses zu setzen, der nicht durch das Wort seinen Ausdruck findet, sondern über sensiblere Elemente wie es etwa die Musik ist. Ich sage übrigens bewusst «versucht», weil ich glaube, dass wir uns alle in einem Lernprozess befinden.

Welche venezolanischen Filme oder Regisseure haben Sie besonders beeinflusst?

Es gibt viele Filme und Regisseure, die mich inspiriert haben. Als Junge habe ich mir die Dreharbeiten des Spielfilms «Oriana» (1985) von Fina Torres angeschaut, ein Film, den ich über alles liebte und der mich sehr beeinflusste. Auch «Jericó» (1990), von Luis Alberto Lamata beeindruckte mich sehr. Mit großer Freude erinnere ich mich an «La balandra Isabel llegó esta tarde» (1950) von Carlos Hugo Christensen. Unser Kino ist auch durch die großen Maestros wie Román Chalbaud gewachsen. Denn es war eben gerade die Suche nach einem eigenen, einem venezolanischen Bewusstsein, die uns prägte.

Welchen Themen sollte sich, Ihrer Meinung nach, das zeitgenössische Kino widmen?
Unser Kino – und unsere Kunst im Allgemein hat eine soziale Verantwortung, die mit der Veränderung und dem Wiederaufblühen unseres Landes und dem lateinamerikanischen Umfeld zu tun hat. Es ist im Moment praktisch undenkbar, Kunst um der Kunst willen zu schaff en. Ich sage damit nicht, dass sich Kunst dem Sozialen unterordnen soll, sondern dass sich Kunst durch soziale Aspekte inspirieren lassen sollte.

Wie schätzen Sie das aktuelle venezolanische Kino ein?
Als Außergewöhnlich! Anfang dieses Jahres ging ich in eines der wichtigsten Kinos von Caracas, das gleich vier venezolanische Filme im Programm hatte. Das war für mich wie ein Wunder. Nicht in meinen optimistischsten Momenten hätte ich mir vorstellen können, dass dies einmal geschehen würde. Ich deute das als eine Art von Wiederaufblühen, das mit dem Auftreten neuer Gesichter und Ideen zu tun hat. Aber es ist auch auf die hiesige Politik zurückzuführen, ich meine hier konkret auf das neue Filmförderungsgesetz, FONPROCINE (FONdo PROmoción y FinanciamientoCINE), das Ende 2006 in Kraft trat. Natürlich gibt es noch Schwächen, die man angehen muss, wie etwa im Bereich des Drehbuchs.

Welches sind die wichtigsten Elemente in der Entwicklung des venezolanischen Kinos?

Das Bewusstsein, dass es Dinge gibt, die verbessert werden müssen. Daran schließt sich ein selbstkritisches Denken an, das meines Erachtens sehr weit fortgeschritten ist und auch mit dem «Wiederaufblühen» zu tun hat. Auch in technologischer Hinsicht hat sich unser Kino qualitativ sehr verbessert; und zwar derart, dass sich das Publikum nicht mehr wegen der schlechten Qualität des venezolanischen Films zu beschweren braucht. Und das ist sehr wichtig, denn wir konnten von unserem Publikum nicht länger erwarten, sich Filme anzuschauen, nur weil sie venezolanisch waren. Es war an der Zeit, den Zuschauern ein Kino zu bieten, das sie wirklich überzeugt. Denn es liegt nicht bei ihnen, sondern bei uns Filmemachern, Leistung zu erbringen.

Übersetzung: Ute Evers