Heidi Schade hat das erste Buch auf Deutsch über die peruanische Küche geschrieben


 

„Mein Aussehen ist mitteleuropäisch aber mein Herz ist peruanisch“


Heidi Schade ist in Peru geboren und aufgewachsen, stammt aber aus einem österreichischen Elternhaus. Sie hat das erste Buch auf Deutsch über die peruanische Küche geschrieben. Sie lebt heute in Mainz und arbeitet als Autorin und Journalistin.

Heidi Schade in ihrer Küche 

Heidi Schade in ihrer Küche

Frau Schade, wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über peruanische Küche zu schreiben?

Ich habe schon immer gerne die peruanische Küche gemocht. In Peru selbst habe ich nie kochen müssen, weil wir Zuhause Hausangestellte hatten, die dort für uns gekocht haben. Als ich nach Deutschland kam habe ich angefangen peruanisches Essen zu kochen und habe gemerkt, dass meine deutschen Freunde sehr gerne meine peruanischen Gerichte gegessen haben. ngezeigt wird oder in einem Newsfeed erscheint. Mit dem Trennzeichen Sie haben mich oft nach den Rezepten gefragt und so habe ich auch schon angefangen Rezepte zu sammeln. Ich habe das Buch geschrieben, weil die peruanische Küche so vielfältig ist. Peru, das „Land der tausend Klimazonen“ bietet das ganze Jahr jede gewünschte Frucht, Gemüse und Fisch in all ihren Varianten. Dies führt zu einer Vielfalt von Rezepten. Wenn man in Deutschland an Lateinamerika denkt, denkt man meistens nur an mexikanische Küche, chilenische Empanadas oder argentinisches Steaks. Lima gilt heute in Südamerika als Hauptstadt der Gastronomie. Ich wollte mit meinem Buch die Vielfalt der lateinamerikanischen Küche auch in Deutschland bekannt machen.

Welches ist Ihr Lieblingsrezept oder Lieblingsgericht?

Die peruanische Küche ist eine leichte Küche. Sie ist nicht so deftig wie die deutsche Küche. Ich esse unheimlich gerne Kartoffeln und Peru ist das Land der Kartoffeln. Es gibt in Peru viele Kartoffelgerichte, wie die ‚Papa a la Huancaína‘, Kartoffeln mit den unterschiedlichsten Soßen, auch zum ‚Lomo Saltado‘ werden zusätzlich zum Reis Kartoffeln gereicht. Die ‚Causa‘ ist eine meiner Lieblingsgerichte, und natürlich auch der ‚Cebiche‘. Fisch und Meeresfrüchte sind in Peru sehr beliebt und in guter Qualität reichlich vorhanden.
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„Ich wollte mit meinem Buch die Vielfalt der lateinamerikanischen Küche auch in Deutschland bekannt machen“

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Welche sind die wichtigsten Gewürze der peruanischen Küche? Wo finden Sie in Deutschland diese besonderen Zutaten?

Ají Amarillo Molido, Cilantro (Koriander) und Comino (Kreuzkümmel) sind die wichtigsten Gewürze und Kräuter, die ich immer zu Hause habe. Früher habe ich alles immer aus Peru mitgebracht. Mittlerweile kann man fast alles im Internet in Deutschland bestellen. Ich komme immer gerne nach Frankfurt in die Kleinmarkthalle, da ich dort fast alles finde, was ich brauche. Ich kaufe sonst über das Internet gerne bei „Mi Tierra“ in Eschborn ein.

Sie sind sozusagen bikulturell aufgewachsen. Was vermissen Sie von Peru, wenn Sie in Deutschland sind und was vermissen Sie von Deutschland, wenn Sie in Peru sind?

Ich bin in Peru geboren und dort aufgewaschen. Ich habe bis zum Abitur in Peru gelebt. Mein Aussehen ist mitteleuropäisch, aber mein Herz ist peruanisch. Meine Heimat ist Peru. Wenn ich in Deutschland bin, vermisse ich aus Peru die Leichtigkeit des Lebens. In Deutschland wird alles bis aufs letzte Detail reglementiert und man kann diesen Regeln nicht ausweichen. Regeln sind wichtig, aber es ist gut, wenn man auch unkonventionell und spontan sein kann, die Fähigkeit hat das Leben mehr zu genießen. Wenn Freunde mich in Deutschland besuchen wollen, hat man immer gleich den Terminkalender in der Hand. In Peru kommt man einfach auf einen Sprung vorbei! Was mich aus Peru stört ist die „Mañana, mañana – Mentalität“. In Deutschland funktioniert meist alles perfekt, z.B. die Behördengänge. In Deutschland denkt man zu sehr an die Zukunft, man vergisst oft das „Heute und Jetzt“. Ich lebe seit 28 Jahren in Deutschland und fühle mich sehr wohl hier, aber sobald ich wieder mit Südamerikanern zusammen bin, merke ich sofort, dass mir das sehr vertraut ist. Sogar meine deutschen Freunde behaupten, dass ich nicht typisch deutsch bin.

Empfinden Sie das als positiv oder negativ?

Für mich ist das positiv. Ich genieße es, wenn mir nachgesagt wird ich sei nicht typisch deutsch, denn mein Herz und meine Wurzeln sind peruanisch. Die Kombination der beiden Länder ist für mich genau das Richtige.

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„Ich genieße es wenn mir nachgesagt wird ich sei nicht typisch deutsch, denn mein Herz und meine Wurzeln sind peruanisch“

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Wie verfolgen Sie die aktuelle Integrationsdebatte in Deutschland?

Die meines Erachtens übertriebene Debatte nervt mich. Muss man die Integration auch wieder reglementieren? Jeder Ausländer soll sich natürlich an die Gegebenheiten des Landes anpassen, aber trotzdem sollte man und kann man die eigene Kultur mitnehmen und pflegen. Viele Deutsche leben auch im Ausland und wie ich in Peru beobachten kann, zum Teil auch sehr isoliert, zum Beispiel durch ihre Clubs und Schulen. In Peru wird aber diese Diskussion nicht geführt.

 

Warum ist Ihrer Meinung nach die Integration der Ausländer in Deutschland viel schwieriger als in anderen Ländern?

Schwer zu beantworten. Natürlich spielt manch Religion eine große Rolle. Aber vielleicht liegt es auch an den vielen Regeln, die hier in Deutschland auferlegt werden. Es werden von vornherein Barrieren aufgebaut, die Ausländer abschrecken.
 

 

Autor: Gustavo Radice
Foto (c) Britta Binzer